Paños - Artbrut-Sammlung

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Paños


Das Wort Paño (spanisch für Tuch oder Taschentuch) wird verwendet, um eine spezielle Kunstform zu bezeichnen: eine Kugelschreiber- oder Buntstift-Zeichnung auf einem Taschentuch. Man vermutet, dass die ersten Paños um die 1940er Jahre im Südwesten der Vereinigten Staaten bei sog. Chicano Gefängnisinsassen (Häftlinge mexikanischer Herkunft) entstanden sind.

Viele Paños zeigen "La Vida Loca" ("das verrückte Leben"): Szenen aus dem Leben der Banden - Sex, Drogenkonsum und Gewalt - sowie die harten Realitäten des Lebens auf den Straßen, Armut und Gefängnis. Sie reflektieren das Gefängnisleben symbolisch mit Uhren, Gittern, Sanduhren und Wachtürmen. Paños spiegeln oft den überwiegend katholischen Glauben der Künstler wider. Zu den traditionellen religiösen Themen gehören Christus am Kreuz, Rosenkränze, betende Hände und Heiligenbilder. Und einige Paños kontrastieren die beiden Themen nebeneinander.

Für lange Zeit isoliert von ihren Familien und Gemeinden nutzen die Insassen die Paños, um zu kommunizieren. Sentimentale Bilder oder Porträts helfen, Verbindungen zur Frau, Freundin oder Familie zu halten und Erinnerungen an ihr Leben im Barrio (Stadtteil) wachzuhalten.

Bis vor kurzem hatten Paños außerhalb der Gefängnisse keine Wertschätzung. Sie verlieren draußen ihre ursprüngliche Bedeutung, die sie innerhalb des Gefängnis-Systems besitzen. Inzwischen werden sie gelegentlich in Ausstellungen gezeigt. Erstmals 2013 bei der Biennale in Venedig wurden sie im Kontext internationaler Kunst vorgestellt.

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